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Wissen · DWD-Hitzewarndienst · Stand August 2026

DWD-Hitzewarnung: verstehen und im Betrieb nutzen

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Hitze – aber nicht nach dem Thermometer. Wer versteht, was „gefühlte Temperatur" heißt und was die zwei Stufen bedeuten, hat für Arbeit im Freien den besten Auslöser, den es gibt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der DWD warnt in zwei Stufen: „starke" und „extreme Wärmebelastung".
  • Grundlage ist die gefühlte Temperatur (Klima-Michel-Modell), nicht die gemessene Lufttemperatur.
  • Richtwerte: ~32 °C (stark) und ~38 °C (extrem) gefühlte Temperatur – saisonal variabel.
  • Ausgabe landkreisscharf, täglich bis etwa 10 Uhr, für heute und morgen.
  • Die Warnung ist ein Auslöser, keine eigene Rechtspflicht – für Arbeit im Freien der praktikabelste Trigger.

Zwei StufenDie zwei Warnstufen

Der DWD betreibt seit 2005 – als Reaktion auf den Hitzesommer 2003 – ein eigenes Hitzewarnsystem mit genau zwei Stufen: der Warnung vor starker Wärmebelastung und der Warnung vor extremer Wärmebelastung. Diese beiden Formulierungen sind die maßgeblichen, amtlichen Bezeichnungen – nicht „Hitzestufe rot" oder ähnliche Farbnamen.

Beide Stufen beruhen nicht auf der gemessenen Lufttemperatur, sondern auf der gefühlten Temperatur. Genau das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen falsch liegen – und zugleich der Grund, warum die Warnung für die Arbeit im Freien so wertvoll ist.

Gefühlte TemperaturWarum nicht das Thermometer?

Die gefühlte Temperatur ist ein wärmephysiologisches Maß: Sie beschreibt, wie stark der Körper die Hitze tatsächlich erlebt. Berechnet wird sie über das Klima-Michel-Modell aus einer Wärmebilanz des Körpers, die vier Größen zusammenführt: Lufttemperatur, Strahlung, Luftfeuchte und Wind.

Der Effekt ist erheblich. Bei praller Sonne, hoher Luftfeuchte und Windstille liegt die gefühlte Temperatur deutlich über dem Thermometerwert – die Strahlung heizt auf, die feuchte Luft bremst die kühlende Schweißverdunstung. Wind senkt sie umgekehrt. So kann eine gemessene Lufttemperatur von 30 °C bereits eine starke Wärmebelastung bedeuten. Genau deshalb ist die gefühlte Temperatur für körperliche Arbeit im Freien aussagekräftiger als jede Thermometeranzeige.

Richtwerte, keine starren Grenzen

Die Schwellen von rund 32 °C (stark) und rund 38 °C (extrem) gefühlter Temperatur sind Richtwerte. Sie sind saisonal und adaptiv: Weil sich der Körper im Jahresverlauf an Wärme gewöhnt, liegt die effektive Auslöseschwelle im Frühsommer nicht exakt fix. Deshalb spricht man von Größenordnungen, nicht von harten Grenzwerten.

NachtkomponenteDie Nacht zählt mit

Die Warnung vor starker Wärmebelastung berücksichtigt mehr als das Tagesmaximum. Sie wird typischerweise erst ausgelöst, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen: die Belastung ist an mindestens zwei Tagen in Folge vorhergesagt, und die Nacht kühlt nicht ausreichend ab. Bleibt es nachts zu warm – Stichwort Tropennacht, in der die Temperatur nicht unter 20 °C fällt –, fehlt die Erholung, und die Belastung am Folgetag steigt.

Die extreme Warnung greift dagegen unmittelbar, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag die Größenordnung von 38 °C überschreitet – ohne die Zwei-Tage-Bedingung.

BezugWo und wann man sie bekommt

Die Warnungen erscheinen kleinräumig auf Landkreisebene, für heute und morgen, dazu eine Trendvorhersage einige Tage voraus. Veröffentlicht wird täglich, sieben Tage die Woche, bis spätestens etwa 10 Uhr. Damit lässt sich der Arbeitstag planen, bevor er beginnt.

Bezugswege der DWD-Hitzewarnung
KanalWofür
hitzewarnungen.deKarte mit heute, morgen und Trend – der schnellste Blick
WarnWetter-AppPush aufs Handy, auch für die Schichtleitung vor Ort
DWD-NewsletterHitzewarnung per E-Mail ins Postfach, abonnierbar
WidgetEinbindung auf der eigenen Intranet- oder Startseite
Open Data / GeoServermaschinelle Einbindung; die Hitzewarnung ist in den offenen Geodaten filterbar

AbgrenzungNicht verwechseln: UV und Farben

Drei Dinge werden gern vermischt. Die Hitzewarnung mit ihren Stufen „stark" und „extrem" beruht auf der gefühlten Temperatur. Der UV-Index ist ein eigenes, separates Produkt zur Strahlungsbelastung der Haut – er misst nicht die Wärme, sondern die UV-Intensität und steuert den Sonnenschutz. Und die bunten Warnfarben (gelb, orange, rot) auf den Wetterkarten sind eine Darstellung, kein offizieller Hitze-Stufenname.

Für die Steuerung im Betrieb heißt das: an die Stufennamen binden – „starke" und „extreme Wärmebelastung" –, nicht an die Kartenfarbe. Den UV-Schutz plant man zusätzlich, entlang des UV-Index.

ArbSchG · ASR A3.5Im Betrieb nutzen

Jetzt das Entscheidende zur Einordnung. Die Pflicht selbst folgt nicht aus der DWD-Warnung, sondern aus ArbSchG und ArbStättV: aus der Gefährdungsbeurteilung und der Pflicht, wirksame Maßnahmen zu treffen. Die Warnung ist ein Auslöser, kein Gesetz.

Ihr Wert liegt genau darin. Für Innenräume liefert die ASR A3.5 mit den Stufen 26, 30 und 35 °C einen Auslöser am Raumthermometer. Für Arbeit im Freien – Bau, Garten- und Landschaftsbau, Logistik, Landwirtschaft – gibt es kein solches Raumthermometer. Hier ist die DWD-Hitzewarnung der praktikable, ortsbezogene Auslöser: objektiv, landkreisscharf und dokumentierbar.

Wichtig zur Einordnung

Die DWD-Hitzewarnung begründet keine eigene Rechtspflicht und schreibt keine Maßnahme gesetzlich vor. Sie ist das Signal, das die ohnehin bestehenden Pflichten auslöst. Welche Stufe welche Maßnahmen startet, legt der Betrieb selbst im Hitzeschutzplan fest – die Warnung liefert das saubere „ab jetzt gilt Stufe X".

PraxisMaßnahmen je Stufe

So lässt sich die Warnung im Freien in einen Stufenplan übersetzen – als betriebliche Best Practice, nicht als Vorgabe des DWD:

Beispielhafte Kopplung von Warnstufe und Maßnahmen (Außenarbeit)
WarnstufeMaßnahmen
Starke
Wärmebelastung
Arbeit vorverlegen, zusätzliche Pausen, Verschattung und kühle Pausenbereiche, Trinken aktiv organisieren, UV-Schutz, Unterweisung – belastende Arbeit aus der Mittagshitze nehmen.
Extreme
Wärmebelastung
Alles verschärft, dazu gegenseitige Beobachtung (Buddy-System), schwere Tätigkeiten aussetzen oder verlagern, ggf. Tätigkeitsstopp, Erste-Hilfe-Bereitschaft für Hitzenotfälle.

Die konkreten Auslöseschwellen und Maßnahmen gehören in die Gefährdungsbeurteilung des jeweiligen Standorts – die Tabelle ist ein Muster, kein fester Katalog.

MissverständnisseTypische Fehler

Häufige Irrtümer

  • „Rote Warnstufe ist die höchste Hitzestufe." Farben sind nur Darstellung. Amtlich sind „starke" und „extreme Wärmebelastung".
  • „Gefühlte Temperatur ist die gemessene Temperatur." Nein – sie ist eine Wärmebilanz aus Temperatur, Strahlung, Feuchte und Wind, meist über dem Thermometerwert.
  • „Ab 32 °C Lufttemperatur warnt der DWD." Es sind rund 32 °C gefühlte Temperatur, nicht Lufttemperatur.
  • „Die Warnung erzwingt Hitzefrei." Es gibt keinen gesetzlichen Hitzefrei-Anspruch. Die Warnung ist ein Auslöser, keine Pflicht.
  • „Die ASR-Werte 26/30/35 °C gelten auch draußen." Das sind Raumtemperaturen; im Freien greift die gefühlte Temperatur der DWD-Warnung.
  • „UV-Index und Hitzewarnung sind dasselbe." Zwei getrennte Produkte – das eine misst Strahlung, das andere Wärmebelastung.

UmsetzungCheckliste

DWD-Hitzewarnung im Betrieb – Kurzcheck

  • Bezugsweg festgelegt: App, Newsletter oder Widget – und wer morgens prüft.
  • Zuständigkeit geklärt: wer die Warnstufe an die Standorte weitergibt.
  • Maßnahmenstufen an „starke" und „extreme Wärmebelastung" gekoppelt.
  • Für Außenarbeit die DWD-Warnung als Auslöser gesetzt, nicht das Raumthermometer.
  • UV-Schutz zusätzlich über den UV-Index geplant.
  • Auslösen der Warnroutine dokumentiert (Datum, Stufe, Maßnahmen).
  • Schwellen und Maßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung hinterlegt.

DownloadWarnroutine-Vorlage

Diese editierbare Excel-Vorlage übersetzt die Warnstufen in eine betriebliche Warnroutine: Auslöser, Zuständige, Maßnahmen je Stufe und der Nachweis – mit ausgefüllter Beispielzeile und Hinweisen.

XLSX DWD-Warnroutine Hitze – Vorlage Editierbar, kostenlos, ohne Anmeldung · für EHS, Bau- und Schichtleitung, Fachkräfte für Arbeitssicherheit Vorlage herunterladen

FAQHäufige Fragen

Woran erkennt der DWD eine Hitzewarnung – an der Lufttemperatur?

Nein. Maßgeblich ist die gefühlte Temperatur, berechnet über das Klima-Michel-Modell aus Lufttemperatur, Strahlung, Luftfeuchte und Wind. Als Richtwerte gelten rund 32 °C gefühlte Temperatur für starke und rund 38 °C für extreme Wärmebelastung – nicht die reine Thermometeranzeige.

Was ist der Unterschied zwischen starker und extremer Wärmebelastung?

Es gibt genau zwei Warnstufen. Starke Wärmebelastung liegt bei rund 32 °C gefühlter Temperatur an zwei Tagen in Folge und wenn die Nacht nicht ausreichend abkühlt. Extreme Wärmebelastung liegt bei rund 38 °C gefühlter Temperatur am frühen Nachmittag.

Zwingt eine DWD-Hitzewarnung dazu, die Arbeit einzustellen?

Nein. Die Warnung ist ein Auslöser, keine eigene Rechtspflicht und kein Hitzefrei-Gesetz. Die Pflichten folgen aus ArbSchG und ArbStättV: Gefährdungsbeurteilung und wirksame Maßnahmen. Die Warnung hilft, diese Pflichten objektiv und dokumentierbar auszulösen.

Wir arbeiten im Freien – die ASR-Werte 26, 30, 35 °C helfen nicht. Was tun?

Richtig, diese Werte gelten für Raumtemperaturen in Innenräumen. Für Arbeit im Freien ist die DWD-Hitzewarnung mit der gefühlten Temperatur und landkreisscharfer Ausgabe der praxistaugliche Auslöser. Koppeln Sie Ihre Maßnahmenstufen im Hitzeschutzplan an die Warnstufen.

Wo und wann bekommt man die Warnung – lässt sie sich automatisiert einbinden?

Täglich an sieben Tagen die Woche bis etwa 10 Uhr auf hitzewarnungen.de, in der DWD-WarnWetter-App, per DWD-Newsletter und als Widget. Für die maschinelle Einbindung stellt der DWD offene Geodaten über seinen GeoServer bereit, in denen die Hitzewarnung filterbar ist.

Bedeutet eine rote Karte die höchste Hitzestufe?

Die Farbe ist nur eine Darstellung. Amtlich sind die Bezeichnungen starke und extreme Wärmebelastung. Für die Steuerung im Betrieb bindet man an diese Stufennamen, nicht an die Kartenfarbe.

Aus der Warnung wird ein Ablauf

Der Hitzeschutz Duty Check bindet die DWD-Warnstufen an Ihre Maßnahmen und Zuständigen – und protokolliert, was an jedem Warntag ausgelöst wurde. Standortgenau und prüffest.

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WeiterführendPassende Beiträge

Quellen

  • · DWD-Hitzewarndienst (Stufen, gefühlte Temperatur, Ausgabe, Bezugswege): hitzewarnungen.de
  • · DWD, Gefühlte Temperatur / Klima-Michel-Modell; DWD Open Data (GeoServer)
  • · KLiVO-Portal (BMUV/UBA), Steckbrief Hitzewarnung (Richtwerte, Zwei-Tage- und Nachtkriterium)
  • · §§3, 5 ArbSchG; ArbStättV; ASR A3.5 „Raumtemperatur" (Innenraumstufen) – BAuA
  • · DGUV Information 203-085 „Arbeiten unter der Sonne" (UV-Schutz im Freien)

Diese Seite ist eine Orientierungshilfe und keine Rechtsberatung.
Maßgeblich sind der amtliche Wortlaut der genannten Vorschriften und die aktuellen Angaben des DWD.
Stand: August 2026 · Lichen · lichen-health.tech